Geschichte des GF/GD-Aktivismus

Die eigene Geschichte als queere Minderheit zu kennen ist sehr wertvoll. Das Wissen ist hilfreich, um einen Anknüpfungspunkt zu haben, wenn ein Generationswechsel zwischen Aktivist*innen stattfindet.
Und es ist eine gute Gesprächsgrundlage, beispielsweise, wenn uns Menschen vorwerfen nur ein Trend oder ein neues Phänomen zu sein: Dann können wir auf das verweisen, was vor uns war.
Die Geschichte des GF/GD-Aktivismus ist natürlich sehr viel kürzer als die von anderen queeren Identitäten. Nichtsdestotrotz gibt es auch in bei uns kleine Meilensteine.

!GF/GD-Aktivismus mag jung sein, doch GF/GDs sind nichts neues!

Bereits Magnus Hirschfeld, ein Pionier der Sexualwissenschaft, beschrieb im Jahr 1920 Frauen, die sich wie ein schwuler Mann fühlten:

Die bisexuellen Frauen, die weiblich angehauchte Männer und männlich geartete Frauen lieben, [stehen] den Männern in gewissem Sinne homosexuell […] [gegenüber] […] (Hirschfeld 1920:206) Eine in diese Kategorie gehörende Studentin, die in ihrem Aussehen und ihren Charaktereigenschaften viel Männliches hatte, dabei aber völlig “normalsexuell” war, da sie nur für Männer erotische Empfindungen hatte, sagte mir einmal nicht unzutreffend, “sie käme sich wie ein homosexueller Mann vor.” (ebd. 230)


Magnus Hirschfeld: Die Homosexualität des Mannes und des Weibes, 1920.
Zitiert bei Uli Meyer: „Almost Homosexual“ – Schwule Frauen und Schwule Transgender. Liminalis 1/2007, S. 73

Außerdem gibt es einige historische Persönlichkeiten, die man aus heutiger Sicht als Girlfags deuten kann, z. B Katharine Hepburn, Carson McCullers, Greta Garbo oder Vita Sackville West. Mehr dazu hat Uli Meyer in der wissenschaftlichen Arbeit “Almost Homosexual” geschrieben.


Girlfag-Symbol, in der LiveJournal Community entstanden
  • 1997: Das Konzept hinter Girlfag geht auf den Sammelband „PoMoSexuals” zurück
    • Buchbeschreibung: „PoMoSexual: the queer erotic reality beyond the boundaries of gender, separatism, and essentialist notions of sexual orientation.“
    • Herausgeberin Carol Queen (Bi-Aktivistin) und Jill Nagle (Feministin, Sexwork-Aktivistin) schrieben Essays über ihr schwules Begehren.
  • 1999: Den Begriff „Girlfag“ prägte Jill Nagle (gleichnamiger Artikel im „Curve“-Magazine)
  • 2000: Erstes Girlfag-Forum auf Yahoo-Groups, bis zu 3000 User*innen
  • 2001 entstand der Begriff „Guydyke“ als jene in der Yahoo-Gruppe aufgrund der Ähnlichkeit der Phänomene nach Solidarität suchten.
  • 2001: Erste Website für Girlfags www.girlfags.com (Clare)
  • 2003: Girlfags-Community auf Livejournal
  • 2006: In der Talk-Show von Tyra Banks waren Girlfags zu Gast (Bianca, Sarah, Clare)
  • 2007: Erste wissenschaftliche Arbeit explizit über Girlfags und Transfags (Uli Meyer)
  • 2008: Erste deutschsprachige Girlfag-Homepage, Umzug 2013 nach: www.girlfags.jimdo.com (Ili)
  • 2012: Deutschsprachiges Forum für GF/GD wurde gegründet
  • 2012: Autobiografie von Janet W. Hardy: “Girlfag: A life told in sex and musicals”
  • 2013: Queerulant_in-Ausgabe mit GF/GD als Schwerpunktthema (Initiiert von Ili)
  • 2014: Regelmäßiger Berliner Support-Stammtisch für GF/GD (Paul’a)
  • 2017: Erster Spielfilm über ein*e Girlfag: „Mimicry“ (Lars von Schuckmann)