Wer sind Girlfags & Guydykes?

Girlfags

Girlfag-Flagge von Max*
Girlfag & genderqueer, by Max*

Girlfags sind (mehr oder weniger) weibliche Personen, die sich als schwul begreifen. Den meisten Girilfags wurde bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen. Girlfags begehren schwule/bisexuelle/queere Männer, können sich aber auch zu weiteren Typen von Menschen und Geschlechtern hingezogen fühlen. Meist träumen sie davon als Mann mit einem Mann zusammen zu sein. Girlfags sind oft an Sexualpraktiken interessiert, die mit schwulem Sex assoziiert werden und/oder an polyamourösen (nicht unbedingt sexuellen) Beziehungskonstellationen mit schwulen/bisexuellen Paaren. Viele Girlfags verorten sich auf dem Non-Binary-Spektrum und sind also weder ganz männlich noch ganz weiblich, beides oder etwas anderes. Girlfags identifizieren sich u. a. als cisgender, (cis)genderfluid, genderqueer oder transgender. Sie sind normalerweise in soweit „dazwischen“, dass sie sich nicht als Cis-Hetera oder als schwuler trans Mann bezeichnen, obwohl für einige trans Männer die Selbstidentifkation als Girlfag eine Art Zwischenstufe sein kann.


Guydykes

Guydyke-Flagge von Max*
Guydyke & genderqueer, by Max*

Gudykes sind (mehr oder weniger) männliche Personen, die sich als lesbisch begreifen. Den meisten Guydykes wurde bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen. Guydykes begehren lesbische/bisexuelle/queere Frauen, können sich aber auch zu weiteren Typen von Menschen und Geschlechtern hingezogen fühlen. Meist träumen sie davon als Frau mit einer Frau zusammen zu sein. Guydykes sind oft an Sexualpraktiken interessiert, die mit lesbischem Sex assoziiert werden und/oder an polyamourösen (nicht unbedingt sexuellen) Beziehungskonstellationen mit lesbischen/bisexuellen Paaren.
Viele Guydykes verorten sich auf dem Non-Binary-Spektrum und sind also weder ganz männlich noch ganz weiblich, beides oder etwas anderes. Guydykes identifizieren sich u. a. als cisgender, (cis)genderfluid, genderqueer oder transgender. Sie sind normalerweise in soweit „dazwischen“, dass sie sich nicht als Cis-Hetero oder als lesbische trans Frau bezeichnen, obwohl für einige lesbische trans Frauen die Selbstidentifikation als Guydyke eine Art Zwischenstation sein kann.


Siehe auch: Bin ich ein*e Girlfag oder Guydyke? (Test)


Wer sind Girlfags? Versuch einer Antwort (von Ili)

Auf girlfags.com, der ersten Website für Girlfags von 2001, fand sich auf die Frage “Was ist ein Girlfag?” die einfache Antwort:

Eine Frau, die sich sehr von schwulen/bisexuellen Männern angezogen fühlt. Sie kann sich – ganz oder teilweise – als “schwuler Mann im Körper einer Frau“ fühlen. Girlfags können sich als hetero, bi oder lesbisch identifizieren und fühlen sich oft zu mehr Typen von Menschen hingezogen als nur zu schwulen/bisexuellen Männern.

Zitiert bei: Uli Meyer: “Almost Homosexual” – Schwule Frauen und Schwule Transgender. Liminalis 1/2007, S. 74

Und:

Ein Guydyke is ein Mann, der sich sehr zu lesbischen/bisexuellen Frauen hingezogen fühlt. Er kann sich (ganz oder teilweise) als “Lesbe in einem männlichen Körper“ begreifen.

Die Beschreibung der Yahoo-Gruppe, die 2000 gegründet wurde, lautete:

Girlfags sind Frauen, die sich sehr zu schwulen/bisexuellen Männern hingezogen fühlen; Frauen die sich mit der schwulen Kultur identifizieren. […] Berühmte Girlfags sind unter anderem Carol Queen, Jill Nagle und Anne Rice. […] Träumst du von “heißen bisexuellen Jungs“? Fantasierst du davon mehrere schwule/bisexuelle Männer zu beobachten oder mit ihnen Sex zu haben? (Möchtest Du diese Situationen wirklich arrangieren […]?) Würdest du lächeln, wenn du deinen Freund sehen würdest, wie er einen anderen Mann küsst (oder noch mehr mit ihm tut) […]? Oder möchtest du nur wissen, dass er andere Männer auch auf diese Art mag – genau wie du […]? Einige Girlfags fühlen sich wie ein schwuler oder bisexueller Mann im Körper einer Frau.

Zitiert bei: Uli Meyer: “Almost Homosexual” – Schwule Frauen und Schwule Transgender. Liminalis 1/2007, S. 74

In Uli Meyers Artikel „Almost Homosexual – Schwule Frauen und Schwule Transgender“ (2007) lautet die Abgrenzung folgendermaßen:

Dieser Text beschäftigt sich mit allen Personen, die bei ihrer Geburt als „weiblich“ einsortiert wurden, die aber im Lauf ihres Lebens schwule Empfindungen verspürt haben. Ausgenommen von diesem umfangreichen und heterogenen Feld sind Personen, die sich selbst als eindeutig heterosexuelle Frauen sehen und heterosexuelle Beziehungen mit Schwulen wünschen […].

Uli Meyer: “Almost Homosexual” – Schwule Frauen und Schwule Transgender. Liminalis 1/2007, S. 59

Im letzten Zitat bemerkt man schon eine kleine, aber nicht unwesentliche Bedeutungsverschiebung. Während in der Anfangszeit der Fokus noch stärker auf dem sexuellen Interesse an M/M-Sex und queeren Männern lag, so liegt heute ein stärkerer Fokus auf dem eigenen Empfinden, der Selbstwahrnehmung und der (Geschlechts-)Identität. Entscheidend ist also weniger die Frage: “Wer wird begehrt?”, sondern: “Wie wird begehrt?”
So gut wie alle Girlfags, die ich bisher kennenlernen durfte, fühlten sich auf die eine oder andere Art wie ein „schwuler Mann im Köper einer Frau“ und das Interesse an schwuler Sexualität war häufig dem Wunsch geschuldet die eigene Identität ausleben zu können. Janet W. Hardy, die Autorin von “Girlfag: A life told in sex and musicals” formulierte ihr Girlfag-Dasein mit den Worten:

Die Sehnsucht in den Augen eines männlichen Liebhabers als Mann wahrgenommen zu werden.

Quelle: https://binarythis.com/2011/12/12/not-quite-girlfags-kylie-minogue-and-femme-queer-identity/#comment-114

Die Wahrscheinlichkeit dazu ist bei Männern, die schwul sind und/oder auf Männer stehen einfach naheliegenderweise höher. Zwar ist das sexuelle Interesse an schwulen/bisexuellen/queeren Männern nach wie vor ein wesentlicher Teil der Girlfag-Definition, doch aufgrund der zunehmenden Kritik aus der LGBT-Szene, dass Girlfags und Guydykes lediglich einen Fetisch ausleben wollen, wurde deutlich, wie problematisch die ursprüngliche Formulierung ist. Sie stellt – wenn man so möchte – ein „Symptom“ des GF/GD-Daseins dar als sei es die Ursache. Das sexuelle Interesse an M/M-Sex allein macht eine Frau noch nicht zur Girlfag. Deswegen gab es in der GF/GD-Community Bestrebungen die ursprüngliche Definition an die heutigen Gegebenheiten anzupassen.

Ich möchte also (mehr oder weniger) weiblich-identifizierte Menschen erreichen, die „schwul fühlen“, die am liebsten als Mann mit einem Mann zusammen wären, die sich (sexuell und romantisch) zu schwulen/bisexuellen/queeren Männern hingezogen fühlen oder sich der schwulen/queeren Szene zugehörig fühlen.

Das heißt: Nicht Frauen, die einfach „nur“ Schwule heiß finden und/oder gerne Schwulen-Pornos sehen, sich einen schwulen besten Freund wünschen oder es schade finden, dass ihr bester Freund schwul ist, weil „Schwule die besseren Männer“ sind. Für ein*e Girlfag sind schwule Männer nicht interessant obwohl sie auf andere Männer stehen, sondern eben weil sie es tun. Es ist also nicht „schade“, dass er schwul ist. Girlfags schätzen die Queerness!


Achtung: Girlfags sind keine Faghags!

Allerdings gibt es einige fiktionale Charaktere, die als Faghags (auf deutsch: “Schwulenmuttis” oder “Gabys”) präsentiert werden, jedoch auch als Girlfags gelesen werden können, da sie sich nicht nur sehr mit der schwulen Subkultur identifizieren, sondern auch sexuelles und romantisches Interesse an queeren Männern haben. Die Grenzen sind also fließend.
Beispiele dafür sind Debbie von “Queer as Folk” oder Dani von “Sense 8”, die mit dem Paar Lito und Hernando quasi in einer polyamourösen Beziehung lebt: Lito und Hernando haben zwar keinen Sex mit Dani, jedoch ist Dani gelegentlich als Zuschauerin Teil ihres Sexlebens und die Dreierkonstellation hat familiäre und romantische Züge.

Gif: Dani von "Sense 8"
Dani von “Sense 8”
Gif: Debbie von "Queer as Folk"
Debbie von “Queer as Folk”

Siehe auch: Frequently Asked Questions


Was ist mit Guydykes?

Ähnlich wie bei Girlfags ist die Spannbreite, wer sich als Guydyke definiert sehr groß. Auch bei Guydykes ist die Frage wen jemand begehrt nicht so entscheidend für die Identität wie die Selbstwahrnehmung. Guydykes wollen keine heterosexuelle Beziehung mit lesbischen/bisexuellen/queeren Frauen und sind (entgegen der Vorurteile) nicht an “Lesbenpornos” interessiert, die für den männlich-heterosexuellen Mainstream gemacht werden. Guydykes träumen davon selbst in einer lesbischen Beziehung zu sein und wünschen sich, dass potentielle Partnerinnen ihre weiblichen und femininen Anteile begehren. Viele Guydykes berichten zudem, dass sie sehr unter den heteronormativen Männlichkeitsidealen leiden.
Dieser Artikel im Nichtbinär-Wiki setzt sich explizit mit Guydykes auseinander und ist ein guter Einstieg ins Thema.


Hier findet ihr eine Liste mit Ressourcen (Links, Artikeln, Videos) speziell für Guydykes.


Außerdem, da wir ja schon Charaktere aus der Popkultur wie Debbie von “Queer as Folk” oder Dani von “Sense 8” erwähnt haben – lasst uns nicht Lisa von “The L-Word” vergessen, die*der sich selbst als lesbischer Mann bezeichnet.

Gif: Lisa von "The L-Word"
Lisa von “The L-Word”